Definitiv das Persönlichste, was ich hier bis jetzt niedergeschrieben und veröffentlicht hab. Im Prinzip geht es darum, wie ein jeder, manche mehr, manche weniger, sich selbst unnötigerweise das Leben etwas versalzen, ohne es so richtig zu merken oder merken zu wollen. Ich kann hier auch nur über meine eigenen Erfahrungen sprechen und auf bestehende Konzepte zurückgreifen. Im Grunde denk ich aber, dass ein jeder seinen oder ihren eigenen Teil daraus ziehen kann und sich vielleicht in manchen Situationen selbst erkennt.
Womit fang ich an? Am besten damit, meine Situation mal grob zu erklären, ohne jedoch zu tief in die Materie zu tauchen. Seit geraumer Zeit geht es mir so gut wie schon wirklich lange nicht mehr - das klingt grandios und das ist es auch definitiv, jedoch heißt das auch, dass es mir über längere Zeit eher mäßig gut gegangen ist - was dann wieder nicht so sexy ist. Woran liegt das jetzt alles aber? Darauf gibt’s natürlich keine ganz klare, eindeutige Antwort, nur einen ganz klaren Gegner, der mir sehr lange im Weg stand - ich selbst. Und nein, ich will da jetzt kein inspirational Ding draus machen, denn das wär fast ein bisschen zu corny, mir geht’s eher darum, einfach mal niederzuschreiben, was mich blockiert hat, da mir das selbst auch enorm hilft und trotzdem vielleicht dem ein oder anderen auch eine Stütze sein kann.
Der offensichtlichste und häufigste Faktor, der Menschen dazu bringt, sich schlechter zu fühlen, als sie sind, ist der große Wettkampf, das Vergleichen mit anderen. Ein Problem, das schon seit Ewigkeiten besteht, sich langsam in die Leute einnistet und schleichend gedeiht. Nur, während es früher ein Vergleichen mit beispielsweise dem Nachbarn oder den Arbeitskollegen war, bietet sich heutzutage die Möglichkeit, innerhalb weniger Sekunden, sich mit so gut wie jedem aus der Welt zu battlen. Und dank der wunderbaren, tollen, superschnellen und schlauen Algorithmen aller Social-Media-Plattformen finden wir auch die besten Leute in den Sachen, die uns so richtig interessieren. Und das ist auch etwas Gutes, denn immerhin kann man dort auch Inspiration ohne Ende sammeln. Man muss nur gut genug für sich selbst abschätzen können, wo Inspiration aufhört und wo leichte Selbstzerstörung beginnt. Denn wenn es sich mehr wie ein Zwang als Motivation anfühlt, sollten bereits die ersten Alarmglocken langsam im Hinterkopf läuten. Passiert das nicht, kann gut sein, dass man langsam in den Sog gesaugt wird, und da wieder rauszukommen, braucht gute Willenskraft und Zeit. Und nochmal, man soll sich jeden Funken Motivation mitnehmen, der einem unterkommt, denn es gibt auch nix Langweiligeres als Stillstand, jedoch sollte man gewisse Sachen auch einfach akzeptieren können. Es gibt immer jemanden, der besser aussieht, erfolgreicher ist, oder auch einfach mehr hat - nicht nur materiell. Die Kunst liegt darin, das zu sehen und sich dessen einfach bewusst zu sein, nicht zu werten. Außerdem verliert man gerade durch intensives Vergleichen und das Streben nach dem Leben anderer etwas Wichtiges, vermutlich das Wichtigste überhaupt: die eigene Persönlichkeit — etwas, das ich vermutlich auch zu oft predige und mit dem ich mich vielleicht auch etwas zu intensiv auseinandersetze. Dennoch ist es das, was uns alle ausmacht, das, was uns von anderen abhebt, und das, weshalb uns genug andere mögen. Es wäre doch enorm schade, diesen Edelstein nicht in seiner vollen Pracht strahlen zu lassen, nur weil vielleicht etwas anderes attraktiver scheinen mag. (was es sehr oft dann tatsächlich gar nicht ist - und vor allem auch oft kaum mit unseren eigenen Charakterzügen korreliert)
Was mich auch zum zweiten großen Punkt bringt, der sich mir offengelegt hat. Sich anzupassen, nur um da dazuzugehören, wo mans sich vielleicht cool vorstellt. Mir ist bewusst, dass sich anzupassen absolut kein Fehler ist, jedoch ist es der Grad dessen, der das Schiff zum Untergehen bringen kann. Bleibt zu wenig vom eigenen Charakter übrig, gibt man sich im Endeffekt für jemanden aus, der man absolut nicht ist, vielleicht gern wäre, vielleicht aber auch gar nicht. All das, nur um nicht anders zu wirken. Um zu gefallen. Und es nimmt einem auch das Interessanteste, das man eigentlich liefern kann - Authentizität. Ein Mensch, der authentisch ist, strahlt das auch aus und wirkt automatisch spannender als jemand, der sich verbiegt, um nicht schlecht aufzufallen. Außerdem glauben wir sowieso, dass uns andere deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken, als sie es im Endeffekt tun. Der Spotlight-Effekt beschreibt dieses Phänomen. Ein für uns vielleicht enorm peinlicher oder unguter Moment, wo wir uns sicher sind, dass andere sich ewig daran erinnern werden, kann bei jenen Personen vielleicht gar nicht am Schirm aufgetaucht sein, da eh jeder sowieso damit beschäftigt ist, sich auf sich selbst und den eigenen Eindruck zu konzentrieren. Deswegen lieber das ein oder andere Mal etwas mehr von sich selbst zeigen, mit dem enormen Risiko, dass einen jemand “komisch” finden könnte.
Punkt drei ist am klarsten auf mich selbst bezogen, jedoch gibt es bestimmt auch genug andere, die damit zu tun haben. Ja sagen. Zu allem. Überall helfen, wo es geht, nirgends absagen. Und am Schluss sich selbst verlieren. Beschissenste Formel jemals. Aber leider auch nicht so leicht zu ändern. Hier hilft es, langsam zu reduzieren und einfach zu erkennen, dass einen andere nicht hassen, nur weil man mal wo nein sagt. Auch hier keine 180°-Wendung machen, wenn es zu einem gehört, ist es auch gut, diesen Charakterzug zu behalten. Nur halt in einem Ausmaß, das nicht schädlich ist. Und wer hat natürlich nicht gern Freunde, die einem helfen? Überleg nur, ob dein eigener Schaden schwerer wiegt als der Profit anderer.
Dieser Text verdeutlicht eigentlich recht gut, warum ich mich wiederholt mit Themen wie Authentizität beschäftige, und wirkt demnach auch super selbstreflektierend für mich. Daher als Tipp meinerseits, einfach vor jeder Entscheidung oder auch in ruhigen Momenten in sich gehen und sich bewusst werden, ob all das wirklich ich selbst bin, oder ob ich gefallen möchte bzw. etwas nachstrebe, das sich eigentlich mit meinem inneren Selbst schlägt. Es wird sich auszahlen. Immer schön swaggy bleiben.
